Wenn die Scheinwerfer am Wehrgang angehen und das Lachen der Zuschauer über die Stadtmauer schallt, ist in Dinkelsbühl wieder Festspielzeit. Die kleine Stadt mit ihrem einzigartigen historischen Stadtbild trägt nicht nur Fachwerk, Mauern und Wehrgänge mit Stolz, sondern auch ein eigenes Theaterensemble – fest verankert, über Jahrzehnte gewachsen und weit über die Region hinaus geschätzt. Unter dem erfrischenden Motto »Leicht. Luftig. Freilicht!« präsentiert das Landestheater für den Sommer 2026 ein Programm, das die historische Kulisse zum Beben bringen wird: Von skurrilem britischem Humor über eine musikalische Zeitreise bis hin zu einer modernisierten Volkstheater-Sause – die erste Sommerspielzeit unter der Intendanz von Jasmin Meindl verspricht ein echtes Highlight im bayerischen Kultursommer zu werden. Von Mai bis August 2026 soll Theater hier vor allem eines sein – ein sommerliches Vergnügen unter freiem Himmel, das lacht, berührt, überrascht und verbindet
Den Kern des Sommerprogramms bildet das Lustspiel »Kohlhiesls Töchter«, ein echter Klassiker, der auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1962 basiert, wird die Geschichte um die widerspenstige Susi und die heiratswillige Liesl in einer modernisierten Fassung glanzvoll in Szene gesetzt: Im Mittelpunkt steht Hotelier und Wirt Zacharias Kohlhiesl, der seiner Frau am Totenbett versprechen musste, dass zuerst die ältere Tochter Susi heiraten soll. Ausgerechnet sie jedoch ist eigensinnig, männerfern und denkt gar nicht daran, sich zu binden. Die jüngere Liesl dagegen ist lebensfroh, beliebt und verliebt in ihren Jugendfreund Toni – doch ihr Glück wird durch das alte Versprechen blockiert. Was folgt, ist ein munteres Spiel um falsche und echte Verehrer, um Eigensinn und Herzenswünsche, um familiäre Loyalität und die Frage, wie sich Tradition und persönliches Glück miteinander versöhnen lassen. Auf der Freilichtbühne am Wehrgang wird daraus eine große Volkstheater-Sause: mit Blasmusik, Chorgesang, Hochzeitsfieber, Bierfassjonglage und bestens gelaunter Gasthausatmosphäre. Musikerinnen und Musiker aus Dinkelsbühl und der Region verleihen dem Abend zusätzlich lokalen Klang und machen aus dem Klassiker ein lebendiges, sommerliches Fest.
Mit »Eine Mords-Freundin« zeigt das Landestheater eine Komödie, die frischer kaum sein könnte. Das Stück stammt von Steven Moffat, dem gefeierten Autor der »Sherlock«-Serie und von »Doctor Who«, und lebt vom typisch britischen, tiefschwarzen Humor: Peter und Debbie lernen im Urlaub die rüstige Witwe Elsa kennen – leicht verschroben, irgendwie sympathisch, eine dieser Begegnungen, von denen man glaubt, sie würden folgenlos bleiben. Man verspricht sich, in Kontakt zu bleiben. Und vergisst es sofort. Doch Elsa vergisst nicht, denn sie steht plötzlich vor der Tür. Und während sie sich häuslich einrichtet, stoßen Peter und Debbie bei einer Internetrecherche auf eine beunruhigende Information: Elsa Krakowski könnte eine Serienkillerin sein. Was tun? Die Kinder sind im Haus, die Lage ist brenzlig – und unhöflich will man ja auch nicht sein. Es entspinnt sich eine rasante Farce voller Missverständnisse, grotesker Wendungen und bitterbösem Humor – ein Komödienabend, der mit Tempo, Nervenkitzel und pointierten Dialogen begeistert.
Mit »Wunder gibt es immer wieder« bringt das Landestheater ein Musiktheater auf die Bühne, das Geschichte auf ebenso unterhaltsame wie kluge Weise erzählt. Schlager und Chansons der letzten hundert Jahre dienen als Zeitkapsel für das Verhältnis von Frau und Mann, für Rollenbilder, Hoffnungen und gesellschaftliche Umbrüche. „Wann ist ein Mann ein Mann?“ – diese Frage klingt hier ebenso an wie der lange Weg der Gleichberechtigung, vom Frauenwahlrecht bis zur Gegenwart. Ein Schauspieler, zwei Schauspielerinnen und eine Person am Klavier begeben sich auf eine musikalische Reise vom Frauenwahlrecht bis in die Gegenwart. Humorvoll, kritisch und berührend entsteht ein Abend, der zum Mitsummen verführt – und dabei erstaunlich viel über Zeitgeist und Wandel erzählt.
Kein Dinkelsbühler Festspielsommer ohne Familienstück – und 2026 steht mit »Der Räuber Hotzenplotz« ein Klassiker von Otfried Preußlers auf dem Spielplan, der Generationen verbindet und zum kulturellen Gedächtnis vieler Kinder einfach dazu gehört: In dem Stück stiehlt Hotzenplotz die geliebte Kaffeemühle, und Kasperl und Seppel nehmen sofort die Verfolgung auf. Dabei geraten sie in Fallen des Räubers, werden getrennt und müssen ihren Mut, ihre List und die Hilfe der Fee einsetzen, um Hotzenplotz zu fangen, die Fee zu erlösen und die Kaffeemühle zurückzubringen. Am Ende vereinen sich die Freunde wieder, Hotzenplotz wird entlarvt und die Geschichte endet in einem fröhlichen Fest. Unter der Regie von Juliane Putzmann verwandelt sich die überdachte Freilichtbühne am Wehrgang in einen Zauberwald voller Abenteuer, Tempo, Fantasie und Spielfreude – ein unvergessliches Theatererlebnis für Kinder ab fünf Jahren und für alle Erwachsenen, die nochmal tief in die heißgeliebte Kindheitsgeschichte eintauchen möchten.
Neben den vier Hauptstücken hält das Sommerprogramm 2026 am Landestheater Dinkelsbühl auch ein abwechslungsreiches Zusatzprogramm bereit. Mit der »Schlagertherapie« geht es voll sinnlichem Vergnügen zurück in die 50er- und 60er-Jahre: Vier Musiker erkunden, wie populäre Lieder von gestern Seelentrost fürs Heute bieten können. Das österreichische Quartett aus Weltmusikern verbindet Charme, Schmäh, Witz und schier unglaubliche musikalische Virtuosität. Schon im vergangenen Herbst begeisterten sie das Publikum in Dinkelsbühl: Wiederholungstäter – und alle, die damals nicht dabei waren, dürfen sich auf Montag, den 8. Juni 2026, um 19.30 Uhr freuen.
Wer es lieber kabarettistisch mag, darf sich Christian Springer am Montag, den 6. Juli 2026, ebenfalls um 19.30 Uhr, nicht entgehen lassen. In seinem Programm »Ein Vorschlag zum Optimismus« prescht er mit Herz, Hirn und Realsatire durch politische und gesellschaftliche Themen. Schnell, pointiert und witzig zeigt Springer, dass Kabarett sowohl unterhaltsam als auch nachdenklich sein kann – ein Abend, der mit Leidenschaft, Witz und kritischem Blick auf die Welt überzeugt.
Mit seinen vier abwechslungsreichen Stücken präsentiert das Landestheater Dinkelsbühl eine Sommerspielzeit, die hält, was ihr Motto verspricht: Leichtigkeit, Humor, Musik und Abwechslung prägen den Spielplan – ohne dabei oberflächlich zu sein. Die Auswahl wirkt publikumsnah, klug zusammengestellt und atmosphärisch genau auf den besonderen Spielort abgestimmt. Nach einem Winter voller existenzieller Fragen und großer Ernsthaftigkeit darf das Theater nun aufdrehen, lachen und feiern. Dieser Sommer lädt ein, sich auf laue Abende, offene Herzen und gemeinsames Erleben zu freuen. Und besonders das Kinderstück – ein zeitloser Klassiker – erinnert daran, warum Theater so wichtig ist: weil es Generationen verbindet und Geschichten erzählt, die bleiben.
Der Festspielsommer 2026 macht Lust auf mehr und wir können es kaum erwarten, wenn es im Mai endlich wieder heißt: Vorhang auf unter freiem Himmel!
Drittes Bild im Text: Christian Springer © Sina Schweikle
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