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04. August 2026 | Kultur|0|

Was passiert, wenn ein gestresster Strafverteidiger ein Achtsamkeitsseminar besucht – und die dort gelernten Regeln konsequent auf sein Leben anwendet? Im Fall von Björn Diemel lautet die Antwort: Es gibt Leichen. Viele Leichen. Allerdings mit erstaunlich viel Gelassenheit. Mit »Achtsam morden« hat das Toppler Theater in Rothenburg ob der Tauber einen der erfolgreichsten deutschen Krimi-Bestseller der vergangenen Jahre, der längst Kultstatus erreicht hat, auf seine Freilichtbühne gebracht.  Regisseur Jürgen Eick wagt sich an die Bühnenfassung eines Stoffes, der von schnellen Szenenwechseln und einer Vielzahl an Figuren lebt – und beweist, dass dies auch auf der kleinen, stimmungsvollen Naturbühne im Nordhof des ehemaligen Dominikanerinnenklosters eindrucksvoll funktionieren kann.

Der Eingang zum Toppler Theater in Rothenburg ob der TauberSchon die Spielstätte macht den Theaterbesuch zu etwas Besonderem. Die kleine Freilichtbühne im Nordhof des ehemaligen Dominikanerinnenklosters – heute Teil des RothenburgMuseums – zählt mit ihren historischen Mauern und nur 142 Sitzplätzen zu den schönsten Freilichtbühnen der Region. Hier sitzt das Publikum ganz nah am Geschehen und erlebt Theater in einer außergewöhnlichen Atmosphäre.

Im Mittelpunkt des Stückes steht Strafverteidiger Björn Diemel, dessen Leben völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist: Beruflicher Stress, Eheprobleme und ein Mafiaboss als wichtigster Mandant lassen kaum Raum für Familie oder Freizeit. Erst ein Achtsamkeitscoach, den er auf Wunsch seiner Frau besucht, zeigt ihm einen Weg zu mehr Gelassenheit. Dass die neu gewonnene innere Ruhe schließlich dazu führt, dass Diemel seinen Mafiaboss beseitigt und dessen Verbrecherclan nach den Regeln der Achtsamkeit weiterführt, ist ebenso absurd wie unterhaltsam. Genau dieser Kontrast zwischen Entspannungstechniken und eiskalten Morden macht den besonderen Reiz der Geschichte aus.
Besonders bemerkenswert ist die Umsetzung auf der Bühne: Obwohl im Stück insgesamt 19 verschiedene Figuren auftreten, stehen lediglich drei Schauspieler auf der Bühne. Umso beeindruckender ist es, wie flüssig die zahlreichen Rollenwechsel gelingen und mit welcher Spielfreude und Wandlungsfähigkeit das Ensemble diese Herausforderung meistert!

Frank Habatsch in der Rolle des Björn Diemel in Achtsam Morden am Toppler Theater Allen voran überzeugt Frank Habatsch in der Hauptrolle des Björn Diemel auf ganzer Linie. Mit großer Bühnenpräsenz, feinem Gespür für Timing und viel Spielfreude lässt Frank Habatsch die Romanfigur Björn Diemel lebendig werden. Kenner der Bücher werden den Protagonisten sofort wiedererkennen: ruhig, sympathisch, mit trockenem Humor und genau der richtigen Mischung aus Gelassenheit und skurriler Entschlossenheit. Habatsch trägt den Abend mit einer beeindruckenden Präsenz und sorgt dafür, dass das Publikum der Geschichte jederzeit gerne folgt.

Ebenso überzeugend präsentiert sich Udo Grunwald, der gleich mehrere Rollen übernimmt und eine enorme Wandlungsfähigkeit beweist. Vom Achtsamkeitscoach Joschka Breitner über den Mafiaboss Dragan bis hin zu Toni, Frau Bregenz und weiteren Rollen- jeder Charakter erhält seine eigene Stimme, Körpersprache und Ausstrahlung. Besonders als Therapeut gelingt es ihm, den ruhigen Gegenpol zum turbulenten Geschehen zu bilden. Die schnellen Rollenwechsel meistert er souverän und sorgt mit seiner Art immer wieder für unterhaltsame Momente.

Atischeh Hanna Braun im Toppler Theater in RothenburgKomplettiert wird das Trio von Atischeh Hannah Braun, die im Laufe des Abends ebenfalls in zahlreiche unterschiedliche Rollen schlüpft. Die vielen schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Charakteren verlangen ihr dabei ein hohes Maß an Wandlungsfähigkeit und Konzentration ab. Mit viel Spielfreude und Ausdruckskraft gelingt es ihr, die unterschiedlichen Figuren lebendig werden zu lassen und den zahlreichen Charakteren ihre ganz eigene Persönlichkeit zu verleihen. Gerade das Zusammenspiel der drei Darsteller macht den besonderen Reiz des Stücks aus: Während Frank Habatsch mit seiner natürlichen und glaubwürdigen Darstellung überzeugt und Udo Grunwald seine bewusst überzeichneten Figuren mit sichtbarer Spielfreude gestaltet, trägt Atischeh Hannah Braun mit ihrer Vielseitigkeit maßgeblich dazu bei, die bunte Vielfalt der Charaktere auf der Bühne zum Leben zu erwecken.

Bühne des Toppler Theaters in RothenburgDass die Inszenierung auf der kleinen Freilichtbühne so gut funktioniert, liegt nicht zuletzt am bewusst reduzierten Bühnenbild. Mit wenigen Requisiten – darunter Kleiderständer, eine große Holzkiste, die unter anderem als Auto dient, einige Stühle und ein chinesischer Gong – entstehen immer wieder neue Schauplätze, ohne den Spielfluss zu unterbrechen. Besonders gelungen ist dabei eine große Übersichtstafel mit allen Figuren und ihren Beziehungen zueinander. Gerade Zuschauer, die weder die Bücher gelesen noch die Serienverfilmung gesehen haben, finden sich dadurch schnell in der komplexen Handlung zurecht.

Wo drei Schauspielende insgesamt 19 Rollen verkörpern, sind kreative Lösungen gefragt. So setzt Regisseur Jürgen Eick in einer Szene auf Handpuppen, um zusätzliche Gangsterfiguren darzustellen. Der originelle Einfall zeigt den Ideenreichtum der Inszenierung, wirkt im Vergleich zum ansonsten stimmigen Gesamtbild jedoch wie ein kleiner Stilbruch und dürfte deshalb nicht jeden Zuschauer gleichermaßen überzeugen. Umso harmonischer fügen sich die fränkischen Lieder ein, die den Theaterabend zu Beginn, vor der Pause, nach der Pause und zum Abschluss begleiten. Sie lockern das Geschehen immer wieder auf, sorgen für ein Schmunzeln und verleihen der Inszenierung einen sympathischen regionalen Charakter.


Team von Achtsam Morden aus dem Toppler Theater HEIMKOMMEN- Fazit: Mit »Achtsam morden« ist dem Toppler Theater ein kurzweiliger, witziger und hervorragend gespielter Theaterabend gelungen! Das Toppler Theater beweist hier einmal mehr, wie wirkungsvoll große Geschichten auch auf einer kleinen Bühne erzählt werden können. Trotz der großen Herausforderung, 19 Figuren mit nur drei Schauspielern auf die Bühne zu bringen, überzeugt die Produktion mit viel Spielfreude und einer gelungenen Inszenierung. Das spielfreudige Ensemble und allen voran die herausragende Leistung von Frank Habatsch sorgen für einen unterhaltsamen Sommerabend, bei dem es viel zu lachen gibt – selbst wenn dabei der eine oder andere Gangster auf eher unachtsame Weise ums Leben kommt. 
Freunde von schwarzem Humor, pointierten Dialogen und skurrilen Geschichten kommen bei  »Achtsam morden« voll auf ihre Kosten. 

Gespielt wird noch bis zum 30. August 2026 – ein Besuch lohnt sich! Karten können noch über die Webseite des Toppler Theaters bestellt werden. 


Wir wünschen dir dabei viel Spaß!


Julia & Sandra

 

Impressionen

 

Udo Grunwald im Stück Achtsam Morden im Toppler Theater in Rothenburg

Szene aus Achtsam Morden am Toppler Theater

Szene aus Achtsam Morden am Toppler Theater

Szene aus Achtsam Morden am Toppler Theater in Rothenburg



Bilder © Toppler Theater in Rothenburg ob der Tauber



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