Heimkommen | Newsblog

Regional?-Genial!

» Wollknäuel mit Namen «

17. Mai 2023 | Regional?-Genial!|1|

Wenn Dagmar Geimann mit dem blauen Eimer wackelt, strecken sich blitzschnell neugierige Hälse in die Höhe und schauen mit dunklen, wachen Knopfaugen, ob es nicht ein paar Leckereien abzustauben gibt. Nach kurzer anfänglicher Zurückhaltung bildet sich eine kleine Traube und das Ringen um den besten Platz am Futter beginnt. Calypso, Pluto, Caramelita oder Ivo sind keine gewöhnlichen Haustiere wie Hunde oder Katzen - sie sind Alpakas und leben zusammen mit Dagmar und ihrem Mann Jürgen im beschaulichen Gunzendorf bei Geslau. Für uns haben die beiden ihre Stalltüre geöffnet und gewähren uns einen Einblick in ihren erfolgreichen und liebevoll geführten Familienbetrieb. 

Alpaka in Dagmar Alpakas WollstallVor acht Jahren zogen die ersten Alpakas auf dem Betrieb in der Region an der Romantischen Straße ein. »Wir wollten irgendwelche Tiere, aber wir waren uns anfangs nicht sicher und haben uns erst nach langen hin und her für Alpakas entschieden. Die ersten vier Tiere haben wir bei einer Züchterin in der Nähe, den Taubertal Alpakas in Rothenburg ob der Tauber geholt, nachdem wir uns vorher auf Shows, im Internet und überall, wo es möglich war, kundig gemacht haben«, berichtet Dagmar. Bevor die Tiere einziehen konnten, bauten sie und ihr Mann die ehemalige Scheune des Hofes liebevoll um: »Wir haben den Stall ausgebaut und hübsch gemacht. Außerdem wurde ein Ausgang nach draußen angelegt.« Der Aufwand hat sich gelohnt, denn es ist eine einmalige Mischung zwischen Stall und Wohnzimmer entstanden: Zwei kunterbunte Ohrensessel mit einem Couchtisch, eine Kommode aus Holz, Spinnräder und liebevolle Dekoration sorgen für Gemütlichkeit. Direkt daneben leben die 23 Alpakas hinter einer Futterraufe, unterbrochen mit kleinen Sichtfenstern für den Familienhund Fanny.

Alpakas auf der Weide

Es kommt, wie es kommen musste und schon im darauffolgenden Jahr entschließt sich das Ehepaar, weitere vier Tiere in ihre Herde zu integrieren. Als sie schließlich einer Bekannten einen Gefallen tun und ein Jahr ein Waisenfohlen pflegen, ist es vollkommen um beide geschehen: »Eigentlich wollten wir nicht züchten, aber da haben wir gesehen, wie schön es ist, wenn man so kleinen Nachwuchs hat. Bis jetzt sind bei uns sieben Fohlen auf die Welt gekommen,« erinnert sich Dagmar lächelnd.

Doch bevor man in Bayern gewerblich Alpakas hält, muss zunächst ein »Sachkundenachweis für Neuweltkameliden« erbracht werden. Aber auch diese Hürde meisterte Dagmar ohne Probleme: »Man muss viel lernen und viel über die Tiere wissen. Egal ob über Krankheiten, wie sie sich verhalten, wo sie herkommen.

Ein wesentlicher Teil bei der Haltung von Alpakas ist die jährliche Schur Anfang April, die dazu dient, dass die Tiere im Sommer bei den heißen Temperaturen nicht überhitzen. Pro Tier fallen dabei etwa zwei bis 3,5 Kilo Vlies an, dass es anschließend zu verarbeiten gilt. »Da haben wir uns gefragt, was wir mit der ganzen Wolle machen. Natürlich könnte man sie verkaufen, aber es ist doch eine runde Sache, wenn man die Tiere hält und dann gleich das Vlies der Tiere vor Ort verarbeitet. Deswegen habe ich im Jahr 2015 einen Spinnkurs besucht, der leider im ersten Moment nicht sehr erfolgreich war,« entsinnt Dagmar sich.  Dagmar bleibt dran und mithilfe von Videos entwickelt sie nach und nach das richtige Gefühl fürs Spinnen. Trotzdem blieb stets Wolle übrig und immer wieder trudelten Anfragen ein, ob Sie nicht etwas Wolle abzugeben hätte. Eins kommt zum anderen und Dagmar und ihr Mann entschließen sich schließlich, die Wolle doch zu verkaufen.

Bis zum fertigen Wollknäuel ist es allerdings ein langer Weg: Sofort nach der Schur wird das Vlies, so nennt man die gescherte Alpakawolle, nach Qualität sortiert. Je feiner und dichter das Vlies, umso besser die Qualität und nur die besten Anteile werden zu Wolle verarbeitet. Zur Weiterverarbeitung nimmt Dagmar die geschorene Rohwolle und säubert sie zunächst: »Dabei zupfe ich jedes kleinste Hälmchen von Hand raus. Bei manchen Tieren ist das ein riesengroßer Aufwand, bei anderen geht ein weniger schneller, weil bei ihnen weniger im Fell hängt. Wenn ich das fertig habe, verarbeite ich die Wolle mit den Handkarden zu Rolags. Oder ich nehme die kleine Kadiermaschine, von Woolmakers und mache Batts.«

Handkarden in Dagmar Alpakas Wollstall

Dabei werden mit zwei Handkarden, eine Art breiter Handbürste mit Draht, die Fasern immer wieder gekämmt und zeigen so nach einer Zeit in die gleiche Richtung. Nach diesem Arbeitsschritt werden die Fasern von der Handkarde abgenommen und mit einer Drehung zu einer Rolle, dem sogenannten Rolags geformt. Anschließend werden manche Rolags mit bunten Fasern aufgehübscht. „Manche Leute möchten einfach etwas buntes, manche Leute lieber Natur pur. Alpakas gibt es in 22 Naturfarben, mit verschiedenen Abstufungen vom hellbeige, rötlich, grau, mulitcolor bis hin zu schwarz, braun oder gefleckt. Bei den bunten Garnen verwende ich bunte Alpaka-Lyocell- oder Bananenfasern und webe die Farbe mit ein.« Die bunten Garne sind nachhaltig und natürlich gefärbt und auch sonst ist bei Dagmar alles nachhaltig: Die Tiere bekommen Bio-Heu, biologisch und ungedüngt und auch das Thema Regionalität ist wichtig. Es gibt keine langen Wege, das Tier wird hier geschoren und die Wolle direkt am Hof verarbeitet.

Dagmar am Spinnrad

Aus den Rolags entsteht schließlich der Wollfaden. Dagmar Gaimann sitzt am Spinnrad, mit dem rechten Fuß tritt sie regelmäßig das Pedal, mit der linken Hand zieht und zwirbelt sie das flaumige Alpaka-Vlies gleichmäßig zum Spinnrad, unterstützt von ihrer rechten Hand. Insgesamt braucht es drei Durchgänge, bis aus den einzelnen Rolags ein zweifädig gesponnenes Wollgarn wird. Diese Wollknäuel, die alle den Namen ihres jeweiligen Vliesgebers tragen, können anschließend für 19,00 € pro 100 g direkt am Hof erworben werden. Neben der Wolle gibt es außerdem fertig gestrickte Socken. Die haben es in sich, denn in einem Paar Socken stecken rund 40 Stunden Arbeit. Allein das Stricken dauert rund acht bis zehn Stunden und dann kommt noch das Spinnen hinzu. Die Schur ist dabei noch nicht mit eingerechnet. »Ich mache das, weil es mir Spaß macht und ich die Tiere liebe! Aber verdient ist damit gar nichts,« erzählt Dagmar. »Für mich ist das insgesamt einfach eine runde Sache: Man hat die Tiere da, man verarbeitet das Vlies der Tiere, man weiß, was man verarbeitet. Für mich ist das kein Fellbatzen, sondern das ist der Igor, das ist der Alvin, das ist der Invictus, das ist der Bailey. Und somit hat man da einfach nochmal einen ganz anderen Bezug. Und ich sag dann immer: Wo kannst du sonst deine Socken besuchen? Nur bei mir!« 

Korb mit Socken und Seife aus Alpaka

Neben der Wolle und den Socken bietet das Ehepaar Geimann noch pflegende Seifen aus Alpakakeratin und hochwertige Deocremes aus Bio-Sheabutter und Mandelöl, natürlich ohne Aluminiumsalze, an. In ihrem erweiterten Wohnzimmer gibt Dagmar außerdem regelmäßig Spinnkurse. »Ich habe mich vor mittlerweile drei Jahren dazu entschlossen Spinnkurse zu geben. Zunächst zeige ich bei den Kursen die verschiedenen Alpakawollsorten und erzähle etwas zu den vielen anderen Fasern wie Bananenfasern oder Seide. Mittels Probepäckchen können die Kursteilnehmer die Unterschiede erfühlen. Leinen oder Schafwolle ist im Vergleich viel gröber als Alpakawolle. Ich erkläre das Spinnrad und ich versuche so weit zu kommen, dass die Leute nachmittags mit einem selbst gesponnen Strang Wolle nach Hause gehen können,« erzählt Dagmar. Der Kurs dauert von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr und kann entweder mit anderen Teilnehmern für 85,00 € oder als Einzelkurs für 98,00 € gebucht werden. Inklusive sind neben den benötigten Materialien auch Essen und Getränke.

Wanderungen möchte das Ehepaar nicht anbieten, denn Alpakas sind sehr sensibel, mitunter auch ängstlich und gehen als Flucht- und Distanztiere eher auf Abstand zu den Menschen. Wie die beiden aber ausdrücklich betonen, sind die Kunden immer eingeladen, einen Blick in den Stall oder auf die Weide der Alpakas zu werfen. Gerade für Kinder ist es immer wieder superspannend, die flauschigen und ruhigen Tiere zu besuchen und aus der Nähe zu erleben. 

Julia & Sandra

 

 

 

Kontakt

Dagmars Alpaka Wollstall
Gunzendorf 12
91608 Geslau
Telefon: 0151 12674710
E-Mail: d.geimann(@)t-online.de

9Telefonnummer:

Impressionen

Rolegs

Alpaka in Dagmars Wollstall

Wolle mit Namen

Bunte Wolle

 


Teilen:

Kommentare

Monika | am 17. Mai 2023
Ich kann das alles nur bestätigen, der Spinnkurs war super lehrreich, die Alpakas wunderschön, Dagmar eine tolle Lehrerin und Erzählerin und die Anlage wunderschön. Ich kann das nur weiterempfehlen