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01. Juni 2026 | Die Region entdecken|0|

In der kleinen Gemeinde Diebach lässt sich ein ganz besonderes Naturdenkmal entdecken, das sogar zu den bedeutendsten Geotopen Bayerns gehört: das »Bodenlose Loch« im Ortsteil Unteroestheim. Die versteckte Quelle liegt abseits der Hauptwege an einem kleinen Feldweg und fällt im Vorbeifahren kaum auf. Wer jedoch am Ufer des dicht bewachsenen Quelltopfs steht und auf das intensiv gefärbte Wasser blickt, versteht schnell, warum dieser ungewöhnliche Ort seit Generationen die Fantasie der Menschen anregt.

Eine Infotafel am Bodenlosen Loch in DiebachDie Entstehung des beeindruckenden Quelltopfs geht auf die geologische Epoche des Keupers vor etwa 230 Millionen Jahren zurück. Damals verdunstete in flachen, küstennahen Lagunen Meerwasser, wodurch sich im Untergrund eine mächtige, überwiegend aus Gips bestehende Gesteinsschicht bildete. Da Gips durch Regen- und Grundwasser leicht löslich ist, spülten die Wassermassen im Laufe der Jahrmillionen weitverzweigte unterirdische Höhlensysteme frei. Im Tal bei Unteroestheim ist dieser Grundgips mittlerweile fast vollständig weggelöst. Weil dem Grundwasser dadurch ein ausreichend großer unterirdischer Fließweg fehlt, drängt es am Bodenlosen Loch als Quelle an die Oberfläche. Das Geotop präsentiert sich heute als ein etwa 15 bis 20 Meter großer Teich, in dessen Mitte sich ein acht Meter breiter und rund sechs Meter tiefer Quelltrichter befindet. Je nach Lichteinfall verfärbt sich das Wasser darin von einem hellen Türkisblau bis in ein tiefes Dunkelblau.

Das Bodenlose Loch in DiebachObwohl das Gewässer verhältnismäßig klein wirkt, sind die reinen Naturdaten beachtlich. Pro Sekunde sprudeln durchschnittlich zwischen 60 und 80 Liter stark mineralisiertes Wasser aus der Erde, das anschließend über den Östheimer Bach in Richtung Tauber abfließt. Für den menschlichen Verzehr ist dieses Wasser allerdings absolut ungeeignet, da in jedem Liter etwa 2,3 Gramm Gips gelöst sind. Dieser hohe Wert zeigt, dass die Auslaugung im Untergrund unaufhörlich weitergeht. Auf das ganze Jahr hochgerechnet schwemmt die Quelle zwischen 4.000 und 6.000 Tonnen aufgelöstes Gipsgestein hinweg. Aufgrund dieser außergewöhnlichen geologischen Eigenschaften, die auch auf einer Infotafel des Bayerischen Geologischen Landesamtes genauer erklärt werden, wurde der Quelltopf offiziell in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen.

Nixenfigur am Bodenlosen LochDiese wissenschaftlichen Fakten hinderten die Menschen in der Region jedoch nicht daran, sich seit Generationen schaurig-schöne Geschichten über den tiefen Quelltopf zu erzählen. In Oestheim hieß es früher sogar, das Loch sei unendlich tief und reiche bis nach Amerika, oder ein ganzes Schloss sei darin für immer versunken. Besonders lebendig ist die Sage über drei wunderschöne Wassernixen, die in einem verborgenen Schloss tief unter dem Wasser lebten und heimlich mit den Dorfburschen zum Tanzen gingen. Als eine von ihnen sich verliebte und die strenge Mitternachtsfrist versäumte, färbte sich das Wasser am nächsten Morgen blutrot und seitdem wurde nie wieder eine Meerjungfrau gesehen – ihr Abbild ist jedoch bis heute im Diebacher Gemeindewappen verewigt. Eine weitere Warnung betrifft die Christnacht, in welcher einst ein unvorsichtiger Bauer samt Wagen und Pferdegespann im morastigen Untergrund des Lochs versank. An der Stelle, an der damals nur noch die Deichsel herausragte, wiegen heute Weidenbüscher ihre Äste im Wind.

HEIMKOMMEN-TIPP: Wer die Region noch weiter erkunden möchte, kann den Besuch wunderbar mit dem Wanderweg »Nixe« , einem der Wanderpfade des »Wappenwanderwegs« verbinden. Zudem bietet Diebach mit dem kleinsten Schäfermuseum Deutschlands ein weiteres, absolut einzigartiges Ausflugsziel!

Viel Spaß beim Erkunden dieses versteckten Naturwunders und beim Entdecken der Gemeinde Diebach!

Julia & Sandra

Adresse:

Auf der Heiligenwiese
91538 Diebach-Oestheim


Öffnungszeiten:

Es kann ganzjährig rund um die Uhr besucht werden, und der Eintritt ist frei.

 

Anfahrt-Tipp:

Verlasse die A7 an der Anschlussstelle Wörnitz und folge der Straße Richtung Insingen. Nach etwa zwei Kilometern rechts Richtung Diebach abbiegen und Oberoestheim bis Unteroestheim durchqueren. Nach einer Linkskurve den Ort geradeaus verlassen. Das Geotop liegt 300 Meter südlich der Straße und ist über den ersten Feldweg links zu erreichen – halte einfach Ausschau nach dem kleinen, alten Schild mit dem charmanten fränkischen Rechtschreibfehler »Zum bodenlose Loch›.